Nicht jedem von uns fällt es leicht, sich mit den für den Yogaunterricht typischen Merkmalen wohlzufühlen. Einigen Menschen fällt es schwer, während des Praktizierens von Yogas sich zu entspannen. Oft stecken vergangene seelische Verletzungen dahinter, die beispielsweise posttraumatischen Belastungsstörungen verursachen können.
Traumasensibles Yoga fokussiert die Wahrnehmung von einzelnen körperlichen Empfindungen wie das Spüren des Drucks auf den Fingerkuppen bei der Berührung mit dem Boden – wie zum Beispiel im herabschauenden Hund.
Dahinter steht, seinen Körper mit innerer Ruhe wahrnehmen zu können, was oft sonst nicht gelingt. Mit dem punktuellen Erspüren des Körpers soll eine Verbindung zur mentalen Ebene geschaffen werden, so dass der Geist zur Ruhe kommen kann.
Ziel ist die Harmonisierung von Geist und Körper, welche oftmals aus dem Gleichgewicht geraten ist.
So ist es erlaubt, während des Yogaunterrichtes aufzustehen und den Raum zu verlassen und diesen wieder zu betreten, so wie man es möchte, um die Möglichkeit zu haben, beispielsweise aufkommende Panikattacken zu überwinden.
Weil Berührung oft als unangenehm empfunden wird, wird ein körperlicher Kontakt mit sich selbst und anderen Kursteilnehmern allmählich aufgebaut. Jedoch ist der zwischenmenschliche körperliche oder auch soziale Kontakt ein wesentlicher Bestandteil, weil im Traumasensiblen Yoga die seelische Spiegelung durch Partner- oder Gruppenübungen als Schlüsselmoment betrachtet wird, sein Trauma idealerweise zu überwinden oder zumindest Heilung zu erfahren.
Im Trauma-sensiblen Yoga gibt es keine ruckartigen Bewegungen und mit viel Kraft erzeugten Asanas. Es sind vielmehr sanfte Bewegungen, in welchen sich jeder und jede auf seine eigene Art und Weise – während des gesamten Yogakurses – bewegen kann. Typisch für Traumasensibles Yoga ist der Fokus auf ein Chakra, wobei alle Chakren nacheinander behandelt werden.
Oftmals haben die Yogalehrer und Yogalehrerinnen auch eine therapeutische Ausbildung und stehen in einigen Fällen mit Therapeuten und Therapeutinnen von Schülern in Kontakt.
David Emerson entdeckte im Jahr 2002, dass er Traumata mit Yoga behandeln konnte. Er gab seine Erkenntnisse an Dr. Bessel van der Kolk weiter. Ihr Interesse, mehr auf diesem Gebiet tätig zu sein, brachte sie dazu, eine neue Plattform hierfür zu erschaffen, die nach und nach zum Traumasensiblen Yoga wurde (TSY) und speziell Menschen mit Traumata behandelt.
Emerson bezog in diesem Prozess immer mehr verschiedene Yogalehrer und Yogalehrerinnen mit ein, um ihr Fachwissen miteinfließen zu lassen und ihre Unterstützung im Bereich Traumasensibles Yoga zu gewinnen.
Die National Institutes of Health finanzierte das Vorankommen.
Traumasensibles Yoga verzeichnet im Allgemeinen in der Heilung von Trauma große Erfolge. Gegenwärtig ist es möglich, anwendungsorientierte Seminare für TSY zu besuchen.
Text verfasst von Beyhan Özcelik